Das erste Lebensjahr eines Dokhyi
- oder was Samantabhadra`s Enchu-Buddha El Shekupura in seinem ersten Jahr so alles erlebt und anstellt.
Vorgeschichte oder wie man auf einen Dokhyi kommt.
Hunde haben schon immer zu meinem Leben gehört. Zuerst waren es Leonberger, ein Bouvier des Flandres und derzeit teile ich mein Leben mit zwei Afghanen. Die meisten halten dies für einen allzu kuriosen Wechsel, aber die edlen Windhunde waren schon immer ein Kindheitstraum. Meine beiden - Rüde und Hündin - sind heute drei bzw. vier Jahre alt. Nachdem meine Leonberger vorletztes Jahr leider gestorben sind (meine Hündin mit 11 ½ Jahren, mein Rüde nach tragischer Krankheit mit nur dreieinhalb Jahren) war es doch recht ruhig in meinem nunmehr recht kleinen Rudel geworden. Ich sehnte mich wieder nach einem Wächter-Typ, aber einen Leo wollte ich nicht mehr haben, da mir die Rasse inzwischen doch sehr überzüchtet scheint und vielfach mit Krankheiten behaftet ist. Zufällig sah ich den Film A man's best friend" und verliebte mich augenblicklich in Max".
Ich weiß wie gefährlich so etwas sein kann, man denke nur an Lassie oder Kommissar Rex, aber trotzdem ging mir diese Rasse nicht mehr aus dem Kopf. Ich suchte alle Informationen über Dokhyi zusammen, die ich finden konnte und erfuhr nebenher auch, dass sie zu den Vorfahren der Afghanen gehören und wesensmäßig diesen auch sehr ähnlich sind.
Durch ein Inserat in einer Hundezeitschrift wurde ich auf meine Züchterin aufmerksam, die mich einlud, ihr Rudel kennen zu lernen. Ich war angenehm überrascht, wie liebenswert diese herrlichen Tiere sind. Schon auf dem Nachhauseweg war mir klar, dass mein nächster vierbeiniger Freund ein Dokhyi sein musste. Durch meine Afghanen konnte ich mir nur allzu gut vorstellen, was da in Punkto Dickköpfigkeit und Eigenwillen auf mich zukommen konnte.
Letzten Sommer besuchte ich die Clubschau in Baden/Schweiz und war sehr angetan von der Vielfältigkeit der Rasse mit vielen wunderschönen Exemplaren sowie dem gemütlichen, sehr familiären Ablauf der Ausstellung.
Ja, und dann hieß es warten auf mein" Hundekind. Auch in dieser Zeit versuchte ich, so viel wie möglich über den Dokhyi zu erfahren. Ich wälzte Hundebücher über Hundebücher, sogar im Internet suchte ich nach Infos (doch war ich hier leider etwas enttäuscht über viele amerikanische Exemplare. Sind das wirklich Dokhyi ?)
Eines Tages bekam ich
endlich den erlösenden Anruf.. Ich wäre
Mami" geworden. Meinem Kind gehe es gut. Und
dann kamen wieder beinahe endlose Wochen, in denen ich
wohl fast schon nervte, mit meinen ständigen Anrufen.
Nach sechs Wochen kam der große Tag. Ich durfte
mein" Kind besuchen. Und als hätte er es
geahnt, dass er mein Hund werden sollte, kam klein
Buddha" als erster des Wurfes auf mich zugelaufen.
Die allseitige Freude war groß und der Abschied fiel
umso schwerer. Noch ca. 4 weitere endlose Wochen des
Wartens bis klein Buddha" endlich Einzug in
Hoffeld hält.
Ein kleiner Dokhyi zieht nach Hoffeld
Die ersten Wochen im neuen Zuhause oder wie klein Buddha" einen gesamten Tagesablauf restlos untergräbt und einen gesamten Haushalt umkrempelt.
Am 22.01.99 war ein ganz besonderer Tag. Sanne brachte Buddha zu mir und meinen beiden Afghanen Fidschi und Banu nach Stuttgart Hoffeld. So gut wie möglich vorbereitet und doch auch sehr aufgeregt fieberte ich diesem Tag entgegen. Ja, und dann war er da. Klein, frech, unwiderstehlich. Schon am ersten Tag hatte ich eher das Gefühl ein Nagetier erworben zu haben als einen Hund. Mit messerscharfen Zähnchen eroberte Buddha seine Welt bzw. meine Wohnung. Kein Gegenstand, der nicht unversucht blieb. Er hielt mich schwer auf Trab und wenn man glaubt, irgendwo gelesen zu haben, Welpen würden viel schlafen, dann trifft das mit Sicherheit nicht auf Buddha zu. Dieser kleine Rabauke dachte nicht daran, seine wertvolle unternehmerische Zeit mit Schlafen zu verschwenden. Dolchartig bohrte er seine Zähnchen immer wieder in meine bald schon ziemlich ramponierten Hände. Auch die beiden Afghanen nahmen zunächst nur Reißaus" vor diesem kleinen Piranha" und beobachteten das Schauspiel aus sicherer Sofa-Höhe. Nachdem Fidschi ihm zu Anfang gleich deutlich machte, dass er hier der Rudelchef ist und so schnell nichts durchgehen lässt, machte er sich über die arme Banu her, die sich zunächst überhaupt nicht wehrte und somit dem kleinen Untier" hilflos ausgeliefert war. Lag sie wie früher arglos auf dem Boden kam doch gleich Buddha und hüpfte auf sie drauf und zerrte sie an den langen Ohren oder am Schwanz. Erst nach ein paar Wochen war sie schließlich so genervt, dass sie auch einmal Kontra gab. Von da an wurden sie Freunde.
Das Problem" mit der Stubenreinheit bekamen wir relativ schnell in den Griff. Häufchen" hat er vom ersten Moment an nur draußen verrichtet, während man es doch noch ab und zu in der Wohnung plätschern" hörte, trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen". Vor allem dann, wenn man irgendwo auf Besuch ist, wird es besonders peinlich. Ach, ist das ein süßes Hündchen" - plätscher, plätscher"!. Auf diese Weise lernt man gleich ,ob man hundetaugliche" Freunde hat oder nicht. Und wenn nicht, ist es auch kein Fehler, auf Dauer hätten diese Leute sowieso nicht mehr zu einem gepasst.
Schon bald gingen wir auch zur Welpenspielgruppe auf den Hundeplatz. Hier drehte Buddha dann so richtig auf. Schüchternheit ist ihm völlig fremd, so dass er ohne Argwohn auf jeden großen oder kleinen Hund zugeht und mit diesen spielen möchte. Erste Lernaufgaben, wie Abrufen aus dem Spiel heraus oder durch einen Tunnel laufen werden auch schon durchgeführt. Allerdings hält er vom Apportieren von Spielsachen nach echter Dokhyi-Manier rein gar nichts, so dass ich mich hier eines kleinen Tricks bediente. Ein Rinder- oder Schweineohr. So etwas ist für kleine, hungrige Dokhyi viel interessanter und die Übung wird beinahe perfekt" ausgeführt. Überhaupt geht das Lernen meines kleinen Buddha-Kindes in erster Linie durch den Magen". Für Futterbelohnungen wird so manches getan, was man sonst bestimmt nicht tun würde.
Nachdem die ersten Wochen des braven" Hinterherlaufens auf Spaziergängen nun inzwischen der Vergangenheit angehören und er seinen Erkundungsradius" immer mehr ausdehnt, z. B. Joggern oder Pferden hinterherlaufen oder mit anderen Hunden mitgehen und er es absolut nicht einsieht, dass er das schöne Spiel aufgeben soll, nur weil ich ihn rufe, habe ich mir hier auch einen kleinen Trick ausgedacht. Eine lange, dünne Schnur (5-10 m lang) am Halsband befestigt, damit ich notfalls sofort eingreifen kann und er das Gefühl bekommt, Frauchen hat einen mega-langen" Arm, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass das hektische Herumpfriemeln" am Halsband entfällt. Er merkt somit nicht, wenn ich ihn einfangen" will. Ein kurzer Tritt auf die Leine - kleine Korrektur - danach viel Lob und schon darf er wieder frei laufen. Das Hier" konditioniere ich auch positiv mit Leckerli". Diese bestehen aus seinen Hundefutterbrocken, welche unterwegs viel freudiger angenommen werden wie Zuhause in der Futterschüssel. Das hat den Vorteil, dass ich ihn häufig belohnen kann und ich dennoch genau weiß, welche Inhaltsstoffe er aufnimmt.
Inzwischen ist Buddha
(Buddi oder Buddi-Bud) 15 Wochen alt und hat inzwischen
sehr viel (hoffentlich nur positives!) von den beiden
Afghanen abgeschaut (an deren Geschwindigkeit arbeitet er
noch!) Egal ob beim Autofahren, Bus- und Bahnfahren, beim
Tierarzt zum Impfen oder einem Gang
durch die Fußgängerzone oder Bahnhofshalle. Er verhält
sich sehr souverän und
liebenswürdig und ist auf dem besten Wege ein
vorbildlicher, freundlicher, verspielter, rassetypischer Dokhyi zu werden. Hoffen wir, dass er sich genauso gut
weiterentwickelt.
Grenzüberschreitungen - oder die Welt ist nicht genug
...
Aus Klein Buddha ist inzwischen Groß Buddha geworden und seine Kraft steigert sich langsam ins unermessliche. Ebenso sein Bewegungsdrang, den es gilt behutsam etwas abzubremsen. Er aber sieht diese Notwendigkeit überhaupt nicht ein, will rennen, balgen, umhertollen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Am liebsten sind ihm jedoch nach wie vor andere Hunde. In diesem Bezug hat er sich auch eine Art Schwerhörigkeit angeeignet, denn kaum erblickt er einen noch so kleinen Punkt am Horizont, ist er verschwunden, auf und davon, schnell wie der Wind und binnen Sekunden weg aus meiner Ruf- und Reichweite. Ist es einmal soweit gekommen, bleibt mir nur noch die Möglichkeit, ihm hinterher zu sprinten und zu versuchen, ihn irgendwie wieder einzufangen, denn verschiedene Versuche haben ergeben, dass er meist nicht mehr freiwillig zurückkommt. Nein, warum auch, ist es doch viel lustiger und interessanter in einer Gruppe mit anderen Vierbeinern. Leider hält er sich jedoch noch immer für einen Welpen und rennt sämtliche Hunde erst einmal über den Haufen, und wenn diese dann ängstlich quietschen" muss ihn das an seinen Lieblingsquietsche - Igel aus Kindertagen" erinnern, denn dann dreht er so richtig auf: Hüpfen, Springen, nach links, nach rechts, Drehung auf der Stelle, Überschlag, totale Verzückung. Es dauert dann so seine Zeit, bis er sich wieder beruhigt. Nein, ein Gentleman ist er fürwahr nicht, eher ein wilder Derwisch. Klar, dass ich versucht bin, ihn von den allzu kleinen Hunden etwas fernzuhalten. Ganz schlimm steht es jedoch um diejenigen Hunde, die ängstlich das Weite suchen, wenn Buddha in vollen Galopp herannaht. Für ihn die willkommene Einladung für eine kleine Jagd, für die armen Opfer" jedoch ein sehr einseitiges Spiel. Als selbst große Schäferhunde begannen, vor ihm zu flüchten, sah ich ein, dass das so nicht weitergehen konnte, obwohl er niemandem was tun würde. Ich musste versuchen, ihn vor einem leicht zweifelhaften schlechten Ruf zu bewahren. So ist erst einmal Leinenarbeit angesagt, wenn an manchen Tagen zu viele Hunde unterwegs sind. Natürlich hat er auch einige Freunde, mit denen er ausgelassen seine wilden Spielchen austragen kann. Ich bin immer wieder erstaunt mit welcher Geschwindigkeit und Ausdauer er hierbei mithält. Nun hat er eine neue Eigenart entwickelt, andere Hunde zu begrüßen". Er schleicht langsam mit gesenktem Kopf und angewinkelten Beinen auf den anderen zu, manchmal legt er sich auch ganz flach auf den Boden und fixiert den anderen, um dann entweder blitzartig aufzuspringen oder vorsichtig auf den Anderen zuzugehen. Ich glaube, er schätzt somit sein Gegenüber genau ab, oder aber er erinnert" sich an seine Hirtenhundvergangenheit und den Umgang mit Schafen und wilden Yaks.
Neulich trafen wir wiedereinmal auf eine Hundegruppe von etwa 5 Hunden verschiedener Rassen. Nach der anfänglichen stürmischen Begrüßung, stellte er sich ganz selbstverständlich mitten hinein in die Gruppe, ,mit ganz verklärtem Blick, als wollte er sagen, hierher gehöre ich, das ist meine Welt und meine Erfüllung...". So auch als ich weitergehen wollte. Zuerst lief er ja noch ganz brav ein paar Meter mit, blieb dann aber plötzlich stehen und als ich mich umdrehte, war er schon wieder inmitten seiner neuen Freunde, hocherhobenem Kopfes, stolz und lächelnd. Eigentlich kann man ihm ja fast nicht böse sein, aber irgendwann hieß es doch auch weitergehen und Abschied nehmen, wenns auch noch so schwer fällt. Seinen Unmut darüber sah man ihm deutlich an. Missmutig ließ er sich an der Leine hinter mir herziehen. Nein, wie konnte ich ihm das auch antun, seine lieben Freunde verlassen zu müssen. Ja, ich glaube Buddha ist nur richtig glücklich, wenn er auf viele andere Hunde trifft, mit denen er nach Herzenslust herumalbern kann. Und an manchen Tagen, wenn wir keinen seiner Freunde treffen, wirkt er richtig niedergeschlagen und traurig. Man sollte ja annehmen, dass ihm seine Afghanenfreunde ausreichen, aber da er diese immer um sich hat, sind sie ihm als Spielkumpane scheinbar doch nicht so wichtig.
Aufgefallen ist mir
weiterhin, dass er einen unheimlich großen
Entfernungsradius besitzt. Er liebt die Weite und die
Freiheit - ein Hund, der sich in der Enge einer Stadt
niemals wohlfühlen würde. Für ihn sind Distanzen von
400 bis 800 Meter schnell erreicht und es ist nicht immer
leicht ein wirklich geeignetes Auslaufgelände zu finden,
welches seinen ureigensten Bedürfnissen entspricht. Und
wenn ich ihn dann so ansehe, glücklich trabend in
scheinbar endloser Natur, verstehe ich nur zu gut, den
wahren Charakter seiner Vorfahren aus dem weiten,
unbekannten Tibet. Dies kann ich ihm jedoch leider nicht
bieten und in unserer westlichen Welt, die voller
Gefahren und Verbote für unsere Hunde lauert, ist eine
gewisse Anpassung in Gehorsam und Disziplin unabdingbar.
So habe ich mir zwei Gegenstände zu meinen
unverzichtbaren Gehilfen im Umgang mit meinen Hunden
gemacht. Das ist erstens die Hundepfeife, falls sie sich
wirklich einmal außer Sichtweite begeben sollten und
zweitens die Wurfkette, deren Wirkung meist schon aus
bloßem Rasseln derselben besteht. Sozusagen als
Verstärkung meines verbalen NEIN!".
Rechtzeitig eingesetzt, vermag sie Wunder zu vollbringen
und Buddha von ungewollten Vorhaben abzubringen. Versucht
er es dann trotzdem noch, hilft immer noch ein gezielter
Wurf in seine Richtung, um den dreisten Tibeter in seine
Schranken zu weisen. Inzwischen hat er eine neue
Leidenschaft entdeckt: Mäuselöcher aufgraben! Und dies
tut er mit schier endloser Geduld und Ausdauer und er
schafft es, ohne Anstrengung ein Feld in kürzester Zeit
in eine Mondlandschaft" mit zahllosen Kratern
zu verwandeln. Und in dieser neu gestalteten
Landschaft" sitzt er dann und
lächelt" mit dunklen, klaren Augen inmitten
eines total erdverschmierten Gesichtes, stolz und erhaben
über seinem Werk- wie ein Künstler!
Wie den meisten Tibetischen Hunden zueigen respektiert und kennt er keine Zäune und räumliche Begrenzungen. So kann ich mir sicher sein, dass er jedes noch so kleine Loch in Zaun oder Hecke findet , oder irgendeine Schwachstelle in der Konstruktion und durch diese zu entwischen versucht. Selbst Zäune bis 1,50 m sind für ihn kein Hindernis und wenn er es möchte überspringt oder überklettert er auch diese. Offene Türen nutzt er als willkommene Gelegenheit, um seine unstillbare Neugierde zu befriedigen und die andere Seite zu erkunden; so hatte er kürzlich einmal für große Aufregung gesorgt, als ich ihn in einem Hotel mithatte. Ich war eben im Nebenzimmer, als er sich gleich einmal quer über das Bett legte und von dort vertrieben, beleidigt aus dem Zimmer schlich. Ich achtete nicht weiter auf ihn, da ich davon ausging, dass er müde wie er war, in unser Zimmer gehen würde. Als ich mein Schwätzchen" beendet hatte und in mein eigenes Zimmer nebenan ging, fehlte von Buddha jede Spur. Nein, im Zimmer war er nicht. War der Schlingel doch tatsächlich zwei Stockwerke hinuntergegangen, durch die Eingangshalle hindurch und hinaus in den Garten, wo er am Tisch einiger Gäste hungrig" die Leute anbettelte. Wo er wohl noch hingegangen wäre, wenn der Garten leer gewesen wäre? Ich wollte besser nicht daran denken und war froh, dass ich ihn so schnell wiederfand.
Auch eine Leine kann ihn nicht aufhalten und es wäre sehr töricht, Buddha an einer normalen Leine irgendwo alleine anbinden zu wollen, denn er beherrscht den Trick" (oder besser Unart!) des Leinedurchkauens. Das einzige was hilft ist eine Kette und muss er tatsächlich einmal angebunden werden, ist das die einzige Möglichkeit, um ihn von seiner Wanderschaft" abzuhalten.
Kürzlich ist wiedereinmal sein enormer Jagdtrieb (abgeschaut und gelernt von seinem Afghanen-Chef Fidschi!) mit ihm durchgegangen. Ich bin extra mit den Hunden eine relativ wildarme" Strecke gegangen, begrenzt von Kleingärten auf der linken Seite sowie einem kleinen Bachlauf auf der rechten Seite. Mit dabei waren sein Boxer-Freund Kim und Mischlingshündin Zilla. Die drei waren frei, während Fidschi vorsorglich an der Leine blieb. (Extremjäger!). Dann geschah das Unvermeidliche. Kim und Zilla rannten los, Buddha hinterher. Über den Bach hinweg, obwohl ich nie für möglich gehalten hätte, dass mein weitgehend wasserscheuer" Tibeter freiwillig den Bach durchquerte. Aber hier wollte er sich wahrscheinlich vor seinen Freunden keine Blöße" geben und rannte tapfer hinterher. Nach wenigen Minuten kamen sie einer nach dem anderen wieder zurück. Mein Buddha jedoch, wie es sich nach feiner tibetischer Tradition gehört, zum Schluss. Er hatte es scheinbar auch gar nicht eilig und zeigte sich noch nicht einmal schuldbewusst, während ich schon ungeduldig am Wasser auf ihn wartete und einem Herzinfarkt" nahe war. Todesmutig sprang er erneut in den Bach und plumpste kopfüber in das kühle Nass, hatte wohl nicht damit gerechnet, dass der Bach auch tiefer sein konnte, als er es gewohnt war. Entsetzt sprang er mit einem riesigen Sprung wieder an Land. Leider abermals die falsche Seite und hier war er auch nicht mehr zu bewegen, wegzugehen. Kein Zureden, kein Schreien nützte da. Buddha verharrte regungslos und dachte wohl über die seltsame Konsistenz von Wasser an sich und im Besonderen nach. Mir blieb nichts anderes übrig als Hose und Strümpfe auszuziehen und ebenfalls das etwa knietiefe Wasser zu durchwaten. Auf der anderen Seite angekommen, durfte ich dann noch die brennnesselbewachsene Böschung hinaufklettern (gut für die Durchblutung und den Kreislauf!) und ich war mir fast sicher, dass mein lieber Hund, der immer noch auf der selben Stelle verharrte, mich in diesem Moment auslachte. Ich nahm ihn an die Leine und dann ging es gemeinsam zurück durch Brennnesseln und kühles Wasser. Und spätestens hier ist ihm das Lachen dann vergangen, aber er ließ es brav über sich ergehen. Vielleicht wird ihm das ja eine Lehre für die Zukunft sein. Aber viel Hoffnung habe ich nicht.
Trotzdem möchte ich
seine zahlreichen Streiche nicht missen wollen, sie
gehören einfach untrennbar zu seinem wunderbaren
Charakter dazu, der zwar nicht einfach ist, dafür aber einzigartig. Ein wahrer Charakterhund eben, mit
einmaligem Charme, den man einfach gernhaben muss. Ich
wünsche mir, dass er noch viele lange Jahre mein treuer
Freund auf allen meinen Wegen sein wird und danke seinen
Züchtern für das Vertrauen in mich, mir einen so
großartigen Hund anvertraut zu haben und für die
vorzügliche Aufzucht und Welpenstube, die Buddha bei
ihnen genießen durfte.
© 2000 Connie Weber
©manwantaras-publication2000/copyright
by i.brill-walch![]()