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Canine Glandula Thyroidea (Die Schilddrüse des Hundes)


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Canine Glandula Thyroidea

 

Die Schilddrüse des Hundes,
        ist eine endokrine (in den Blutkreislauf absondernde) Drüse. Sie besteht aus zwei Organen, die links und rechts neben der Luftröhre (Trachea) unterhalb des Kehlkopfes (Larynx) liegen und nicht tastbar sind. Eine Besonderheit beim Hund ist das Vorkommen von akzessorischem (zusätzlichem) Schilddrüsengewebe vor allem entlang der Luftröhre und im Gebiet der Herzbasis, das neoplastisch (krebsartig) entarten kann. Anders als beim Menschen hat die Schilddrüse des Hundes keinen verbindenden Steg, den sogenannten Isthmus.

Die Schilddrüsen sind ein lebenswichtiges, hormonbildendes Stoffwechsel– Regulationsorgan und von signifikanter Bedeutung für den Körper. Sie bilden, speichern und sezernieren (scheiden aus) die Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Wie aus der Bezeichnung der Hormone bereits hervorgeht, ist Jod ein wesentlicher Bestandteil. 
Jod muss mit der Nahrung aufgenommen werden und gelangt als Jodid aus dem Magen–Darm–Trakt ins Blut. Es wird aus der Blutbahn in die Schilddrüsen aufgenommen und in die Schilddrüsenhormone eingebaut. Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, benötigt die Thyroidea täglich 40µg bis 80µg Jod/kg KM, wobei der junge, heranwachsende Hund zirka 80µg und der  erwachsene Hund zirka 40µg Jod benötigt. Bei Jodmangel, aber auch bei Jodüberschuss kann es zu einer Aktivierung sogenannter lokaler Wachstumsfaktoren und damit zu einer Anpassungsreaktion der Schilddrüsen in Form einer Vergrößerung kommen. Diese kann sowohl ein– oder beidseitig sein und sie ist leicht sicht– und tastbar. Sie kann gut oder bösartig sein oder aus Zysten bestehen. Die vergrößerte Schilddrüse wird als Struma (Kropf) bezeichnet, was jedoch beim Hund selten vorkommt.

1. Die Schilddrüsenhormone
        T4 und T3 haben einen umfassenden Einfluss auf den Eiweiß–, Kohlenhydrat– und Fettstoffwechsel, sowie den Grundumsatz, die Wärmeproduktion und die Aktivitäten des vegetativen Nervensystems. Darüber hinaus werden die Schilddrüsenhormone für die körperliche Entwicklung und das psychische Wohlbefinden gebraucht. 
Das Hormon T4 (Tetrajodthyronin), auch als Thyroxin bezeichnet, ist die Hauptjodverbindung (über 90 Prozent) im Blutkreislauf. Dieses Aminosäure–Hormon übt seine biologische Aktivität meist über die Monodejodierung zum T3 (Trijodthyronin) aus. Das bedeutet, dass T4 ein Jodatom abgibt und zum T3 wird. 
Die Funktion von T3 im Körper des Hundes ist noch unklar. Beim Menschen ist T3 das wichtigste biologisch aktive Schilddrüsenhormon, dem eine bedeutende Rolle im basalen Stoffwechsel obliegt, denn T3 wirkt über Rezeptoren im Zellkern, und dort an bestimmten Stellen der DNA (Erbgut) auf die Eiweißsynthese und aktiviert und beschleunigt die Bildung von Enzymen und Proteinen.

Wie T4 zirkuliert T3 im Blut gebunden an sogenannte Transporteiweiße. Diese drei Bindungsproteine sind TBP (Thyroidea Bindendes Protein), TBPA (Thyroidea Bindendes Prealbumin) und Albumin. Nur ein sehr geringer Anteil (0,3 Prozent), der nicht Protein gebunden ist, liegt als freies, also ungebundenes Hormon vor. Man spricht dann vom freien T4 (fT4) oder freien T3 (fT3). Stoffwechselaktiv sind nur die freien Hormone. Das bedeutet, dass sie für die biologische Aktivität im gesamten Stoffwechsel–, Regulations–, Hormonbildungs– und dem Abwehrsystem  verantwortlich sind. Über den Nachweis der freien Schilddrüsenhormone kann der Schilddrüsenstatus und der zelluläre Metabolismus (Gesamtheit aller biochemischen Vorgänge in einer Zelle) zuverlässig angezeigt werden.

2. Der hormonelle Regelkreis der Schilddrüse
        ist ein großer, selbstregulierender Rückkopplungsmechanismus im Körper, der die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen kontrolliert. Die Regulation der Schilddrüsenhormone erfolgt über die Achse: Hypothalamus – Hypophyse – Schilddrüse. Diese Regulation wird durch Wechselwirkung mit der Umwelt (z.B. Wohnort, Klima, Jahreszeiten), individuellen Vorraussetzungen (z.B. Geschlecht, Alter) und verschiedenen biologischen Faktoren (z.B. Ernährungs– und Gesundheitszustand, Medikamente) bewirkt, wobei alle Komponenten zusammen einen Regelkreis bilden.

Die übergeordnete „Zentrale" der Schilddrüse liegt im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns, der für die Produktion des TRH (Thyreotropin Releasing Hormon) verantwortlich ist. Dem Hypothalamus „untergeordnet" ist die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), die im Hinterkopf, in der Sella, dem sogenannten Türkensattel eingebettet liegt. Sie produziert das Hormon TSH (Thyroidea Stimmulierendes Hormon). Die wichtigste Aufgabe des TSH ist die Regulation der Synthese (Aufbau) und Sezernierung (Ausschüttung) der Hormone T4 und T3. Dies geschieht über das sogenannte negative Feedback, das folgendermaßen funktioniert:

Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen sinkt der Hormonspiegel der Schilddrüsenhormone T4 und T3 im Blut unter den Normwert. Dies wird sofort vom Hypothalamus registriert und alles daran gesetzt den Hormonspiegel wieder auf den Normalwert anzuheben. Dazu wird vermehrt TRH freigesetzt, welches bewirkt, dass in der Hypophyse TSH zunehmend an das Blut abgegeben wird. Das TSH erreicht über den Blutweg die Schilddrüsen und stimuliert, wie sein Name bereits sagt, die Produktion der Schilddrüsenhormone T4 und T3, welche nun vermehrt an das Blut abgegeben werden. Somit steigt der Hormonspiegel im Blut wieder auf einen Normalwert.

 

Reiz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hypothalamus

           ───────┐

- Negatives Feedback

TRH+

 

Hypophyse

──────┤

TSH+

 

 

 


 

 

Thyroidea

 

 

 

 

 

 

 

 

T4 und T3+

  ─────┘

 

Bei einem Überschuss an T4 und T3 läuft der Prozess gegensätzlich ab. Daraus folgt: Ein hoher T4– und T3 Spiegel im Blut bewirken eine geringere TRH Ausschüttung im Hypothalamus, die wiederum eine geringere TSH Ausschüttung in der Hypophyse zur Folge hat. Weniger TSH im Blut führt nun dazu, dass die Schilddrüsen weniger stimuliert werden und infolgedessen weniger Schilddrüsenhormone produzieren und die T4– und T3 Spiegel im Blut sinken.

3. Klinische Zustände der Schilddrüse 
Solange der selbstregulierende Rückkopplungsmechanismus funktioniert und die Basalwerte von T4 und T3 im Normbereich liegen spricht man von einer Euthyreose oder normalen Schilddrüsenfunktion. Werden jedoch durch pathologische Zustände entweder zu viel oder zu wenig Schilddrüsenhormone produziert, so spricht man einerseits von einer
Hyperthyreose oder Schilddrüsenüberfunktion und anderseits von einer Hypothyreose oder Schilddrüsenunterfunktion.

3.1 Die Euthyreose
        bezeichnet die gesunde Funktion der Schilddrüse.

3.2 Die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
        ist eine generalisierte Steigerung des Stoffwechsels, welche durch eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen zustande kommt. Die Hyperthyreose ist beim Hund im Gegensatz zur Katze selten. Sie tritt beim Hund meist im Zusammenhang mit einem Schilddrüsenkarzinom auf. Sie kann aber ebenso als ein Durchgangsstadium einer beginnenden Unterfunktion beobachtet werden; allerdings handelt es sich dann mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigenen Immunsystem zerstörerisch gegen das körpereigene Schilddrüsengewebe vor geht.

3.3 Die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
Der Schilddrüsenunterfunktion können unterschiedliche Organerkrankungen im Regelkreis zugrunde liegen. In Abhängigkeit von diesen unterscheidet man in
erworbene, kongenitale, primäre, sekundäre und tertiäre Hypothyreosen.

3.3.1 Erworbene Hypothyreosen 
        können durch Jodmangel in der Nahrung oder durch Viruserkrankungen entstehen.

3.3.2 Kongenitale (angeborene) Hypothyreosen 
        werden z.B. durch Jodmangel oder Enzymdefekte hervorgerufen. Bei schweren Hypothyreosen werden die Welpen tot oder lebensschwach geboren. Sie weisen Kröpfe und aufgeschwemmte, ödematöse Haut auf. Die meisten totgeborenen Welpen werden ohne weitere Untersuchungen beseitigt. 
Die lebensfähigeren Welpen können massive Wachstumsstörungen aufweisen. Besteht die Hypothyreose schon während der embryonalen Entwicklung (hypothyreote Mutter) führt dies zur Schädigung des Fötus und somit zum Kretinismus, einer schweren Entwicklungsstörung des Nervensystems und zu einer "geistigen" Retadierung. Ebenso ist das Skelettsystem betroffen – z.B. kurzer, kyphotischer (nach innen gekrümmter) Rücken, gedrungener Hals, dicke, zu kurze Vorderpfoten, schmächtige Hinterhand. 
Als weitere Ursachen werden auch Fehlbildungen in Hypophyse oder Hypothalamus angenommen, die jedoch beim Hund selten vorkommen. Bei der kongenitalen Hypothyreose ist eine genetische Disposition sehr wahrscheinlich.


3.3.3 Die primäre Hypothyreose

Zirka 95 Prozent aller Hypothyreosen sind primär, d.h. die Schilddrüse selbst ist das erkrankte Organ, das durch angeborene und/oder ererbte Abnormalitäten wie z. B. Autoimmunerkrankung, idiopathische Atrophie (das Gewebe schrumpft, ohne dass man die Gründe kennt), Entzündungen, Traumata oder degenerative bzw. krebsartige Veränderungen nicht genügend Hormone bilden kann. Diese hormonelle Fehlfunktion wirkt sich sowohl auf das Verhalten wie auf das Äußere des Hundes aus. Das Krankheitsbild entwickelt sich in den meisten Fällen sehr langsam, aber stetig progressiv weiter. Da die Schilddrüsen über hohe Reservekapazitäten verfügen, werden die Symptome einer Unterfunktion erst bemerkt, wenn bereits zweidrittel der Schilddrüsenfunktion ausgefallen ist. Dieser Degenerationsprozess kann Monate bis Jahre dauern
(Radjai-Ordoubadi,2002). Selten entwickeln sich die Symptome vor dem zweiten Lebensjahr, meist sind Tiere zwischen dem dritten und achten Lebensjahr betroffen. Durch züchterische Einflüsse erkranken zunehmend auch jüngere Hunde, insgesamt eher mittelgroße bis große Hunde (Rassen). Insgesamt sind Rüden wie Hündinnen gleichermaßen betroffen, aber ein leichter Anstieg bei kastrierten Hündinnen ist zu beobachten. Beim Dokhyi liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei zirka drei Jahren. Das würde bedeuten, dass die Hypothyreose beim Dokhyi eine Erkrankung des juvenilen, ein– bis zweijährigen Hundes ist.

•  Autoimmunerkrankung oder Autoimmun–Thyreoditis:
                   bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem das eigene  Schilddrüsengewebe nicht akzeptiert und zerstörerisch angeht. Im Blut werden Antikörper gegen Schilddrüsengewebe und Kolloid (Reservedepot für die Schilddrüsenhormone) gefunden, die für eine Schrumpfung oder aber auch Vergrößerung des Gewebes sorgen. Infolge dessen kommt es zu einer chronischen Entzündung – es werden immer mehr Zellen zerstört, wodurch immer weniger Schilddrüsenhormone produziert werden können. Am Ende besteht i.d.R. eine Atrophie (Schwund) und die Aplasie (Fehlen) der Schilddrüsen. Im Gegensatz zum Menschen ist der Antikörper–Spiegel im Blut des Hundes nicht so aussagekräftig weshalb die Diagnose auch schwerer fällt. Ebenso findet man keine Struma (Kropf) beim Hund. Man geht davon aus, dass genetische Dispositionen die Krankheit auslösen und sieht einen Zusammenhang mit anderen, ebenfalls Autoimmun– Krankheiten wie z.B. Diabetes mellitus und chronischem Rheumatismus. 
  Idiopatische Atrophie: 
                   bedeutet, dass ein nichtentzündlicher Prozess für den fortschreitenden Verlust des Schilddrüsengewebes verantwortlich ist, wodurch es zu einer Schilddrüsenschrumpfung kommt. Die Ursachen liegen wahrscheinlich auch in genetischen Faktoren. 

3.3.4 Sekundäre Hypothyreose 
        ist eine Erkrankung der Hypophyse. Durch eine z.B. angeborene Fehlbildung der Hypophyse oder tumoröse Prozesse kommt es zu einem Ausfall der TSH Produktion wodurch wiederum zu wenig T4 gebildet werden kann. Beim Hund kommt diese Form der Funktionsstörung eher selten vor.

3.3.5 Tertiäre Hypothyreose 
        ist eine krankhafte Störung im Hypothalamus, der durch Ausschüttung von TRH die Produktion von TSH in der Hypophyse lenkt. Die tertiäre Hypothyreose ist beim Hund nicht bekannt bzw. beschrieben worden.


4. Symptome der Hypothyreose 

Wie eingangs bereits dargestellt, wirken die Schilddrüsenhormone im gesamten Stoffwechsel und sind somit für den Organismus unverzichtbar. Aus diesem Grund können bei einer Hypothyreose viele Organe betroffen sein, so dass die klinischen Anzeichen sehr vielgestaltig und zum Teil auch unspezifisch sind. Das bedeutet, dass eine große Anzahl an Symptomen gleichzeitig auftreten oder vorherrschen können, wodurch das Krankheitsbild weniger deutlich oder sogar irreführend sein kann. 

Übersicht der Symptome, die bei einer Hypothyreose auftreten können:

4.1 Verhalten:

ڤ

Apathie – Teilnahmslosigkeit mit „depressivem" Gesichts– und Augenausdruck – ein junge Hund wirkt plötzlich sehr alt
ڤ Lethargie (Antriebsschwäche)
ڤ Trägheit
ڤ verminderte Ausdauer
ڤ vermehrtes Schlafbedürfnis
ڤ Reizbarkeit
ڤ Aggression – „Dr. Jeckyll – Mr. Hyde – Syndrom"
4.2 Haut & Haar:  ڤ struppiges, glanzloses und schütternes Haarkleid frühzeitiges Ergrauen mit brüchigem Oberhaar, besonders an Brust, Oberkörper und Flanken
ڤ Alopezie – vermehrter, „mottenfraßähnlicher" Haarausfall
ڤ Komedonenbildung (Schuppung und Verstopfung der Talgdrüsen)
ڤ Atrophie (Gewebeschwund) der Epidermis (Oberhaut) und Verdickung der Dermis (Lederhaut)
ڤ Hyperkeratose (übermäßige Verdickung der Hornhaut)
ڤ Seborrhoe (Fett– und Schuppenbildung der Haut)
ڤ Hyperpigmentierung (Schwarzhaut) besonders am Nasenrücken, Rutenansatz, Brust, Flanken und an den Schenkelinnenflächen 
ڤ sekundäre Pyodermie (eitrige Pustelbildung)
ڤ Myxödem (trockene, raue, wachsartige, blass–fahle, leicht eindrückbare Haut im Gesicht und an den Gliedmaßen – meist kombiniert mit trockenen, brüchigen Nägeln)
4.3 Immunsystem: ڤ Chronische Immunschwäche (immer wiederkehrende Infektionen, Demodikose)
4.4 Herz &
     Kreislaufsystem: 
ڤ Bradykardie (verlangsamte Herzschlagfolge)
ڤ EKG–Veränderungen
ڤ langsamer Puls
ڤ Herzinsuffizienz (Unvermögen des Herzens bei Belastung oder Ruhe effizient zu Arbeiten)
4.5 Augen: ڤ kristalline Hornhautablagerungen i.d.R. mit dem bloßen Auge sichtbar
4.6 Nervensystem:  ڤ Muskelschwäche
ڤ Bewegungsunsicherheit
ڤ Schluckbeschwerden und / oder Kehlkopflähmung
ڤ Störung der Hirnfunktionen
ڤ epileptische Anfälle
4.7 Fruchtbarkeit: ڤ Libidoverlust
ڤ Mangelnde Potenz
ڤ schlechte Samenqualität
ڤ Sterilität
ڤ Zyklusstörungen und Zyklen ohne stattfindenden Eisprung
ڤ Scheinträchtigkeit
ڤ Wehenschwäche
ڤ Fehlgeburten
ڤ verringerte oder aufgehobene Fruchtbarkeit (keine oder kleine Würfe <4 Welpen)
ڤ Totgeburten
ڤ angeborener oder erworbener Kretinismus (im Mutterleib erworbener Schilddrüsenhormonmangel des Fötus durch Schilddrüsenmangel der Mutter hat Entwicklungsstörungen am Skelett– und Nervensystem des Neugeborenen zur Folge)
4.8 Stoffwechsel: ڤ Hypothermie (Untertemperatur)
ڤ Kälteempfindlichkeit und vermehrtes Wärmebedürfnis
ڤ Fettleibigkeit, trotz reduzierter Futtergabe
ڤ Wassereinlagerungen
ڤ erhöhte Cholesterinwerte (Blutfettwerte)
ڤ Anämie (Blutarmut)
4.9 Weitere
      Symptome:
ڤ "Verwesungsgeruch", der Hund müffelt  und sondert einen faulen Geruch über Körper und Mund aus
ڤ Verstopfung
ڤ steifer Gang
ڤ Zehenschleifen
ڤ Gelenkschmerzen (Wassereinlagerungen) mit Schonung (aktiv und passiv)
ڤ Heiserkeit, krächzendes Bellen

Zeigt der Hund mehrere der Symptome, muss er unbedingt einem Veterinär vorgestellt werden. Eine gründliche Anamnese und Diagnostik sollten folgen und baldmöglichst eine Behandlung eingeleitet werden. Von einer medikamentösen Substitutionstherapie seines Hundes nach gut Dünken ohne exakte Ergebnisse ist selbstverständlich abzusehen, da einerseits eine optimale Dosierung mit L–Tyhroxin nur in Absprache mit dem behandelnden Veterinär anhand der Laborwerte erfolgen kann und da es andererseits Krankheiten gibt, die klinische Anzeichen einer Hypothyreose zeigen, jedoch keine "echten" Hypothyreosen und unter dem Begriff NTI (Non–Thyroidal–Ilness) oder ESS (Euthyroid–Sick–Syndrom) zusammengefasst sind. Ursachen für NTI oder ESS können unter anderem Erkrankungen der Leber und Nieren, Fieber, Nahrungskarenz, Medikamente und Diabetes mellitus sein. Neuere Studien zeigen, dass der TSH Referenzwert bei NTI = 0,02–1,32ng/ml ist (Radjai-Ordoubadi,2002).


5. Diagnosemöglichkeiten und Auswertungsmethoden

Es stehen verschiedene Methoden und Test zur Verfügung, aber nicht alle besitzen den gleichen Aussagewert und bedürfen in den meisten Fällen einer Überprüfung mit Hilfe des TRH–Stimulationstests.

Es sei noch daraufhin gewiesen, dass der T4– oder fT4 Wert des jungen Hundes höher ist als beim adulten Tier, infolge der zellulären Metabolismen des Alterungsprozesses
(Ferguson,1986). Ebenso wurde festgestellt, dass Hunde bis zu vier Monaten einen zwei bis vier mal höheren T4 Wert als erwachsene Hunde und große Hunderassen einen niedrigeren T4 Wert als kleine Hunderassen haben (Hämmerling,1989).

5.1 k–Wert Berechnung nach Larson (1988)
Seit die Möglichkeit besteht, das TSH zu bestimmen und den TRH–Stimulationstest
durchzuführen, hat die Bedeutung des k–Wertes abgenommen. Er ist jedoch immer noch aussagekräftiger als die einmalige Basalwertbestimmung. Für die k–Wert Berechnung benötigt man den Cholesterinwert des nüchternen Hundes, da bei einer Hypothyreose sehr häufig erhöhte Blutfettwerte bestehen. Die Berechnung erfolgt dann nach der Formel:  

k–Wert = 9 x fT4 (ng/dl) – 0,0259 x Cholesterin (mg/dl)

Definition:

k–Wert  > +1   = Euthyreose
k–Wert   - 4 bis +1 = Grenzwertig
k–Wert  < - 4 = Hypothyreose

Grenzwertige Ergebnisse sollten mit Hilfe der TSH Bestimmung und dem TRH–Stimmulationstest abgeklärt werden.

5.2 Basalwertbestimmung von T4 oder fT4
Auch hier wird dem Hund nüchtern Blut entnommen und der T4 oder fT4 Wert bestimmt. Er wird sehr oft angewendet ist aber auch sehr unzuverlässig und nicht immer aussagekräftig, da auch nicht thyreoidale Krankheiten und/oder Medikamente einen temporären (zeitlichen) Einfluss auf die Schilddrüsenkonzentration haben können. Auch hier kann der TRH–Stimulationstest hilfreich sein.


5.3 Szintigraphie

Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung wird dem Körper markiertes Jod zugeführt, das nach der Verteilung im Körper registriert wird. Bei einer primären Hypothyreose werden nur wenige oder keine Nukleide eingebaut und auf dem Bild sieht es aus, als wären keine Schilddrüsen vorhanden. So kann auch bei Tumorverdacht dessen Ausdehnung oder Metastasierung (Absiedlung bösartiger Zellen) erfasst werden.

5.4 Stimulationstest
Die sicherste Methode zur Bestimmung der primären Hypothyreose ist der TSH– oder TRH–Stimulationstest, da dieser die Fähigkeit der Hormonproduktion bzw. Hormonsekretion endokriner Organe prüfen kann.
Der TSH–Test wird wegen der BSE Problematik (bovines – vom Rind – Material) so gut wie nicht mehr durchgeführt. Laut jüngsten Untersuchungen ist die Aussagekraft von TSH– und TRH–Test nahezu identisch (Kraft,1995). Die Bestimmung des caninen TSH ist ein großer Fortschritt in der Schilddrüsendiagnostik. Leider bleibt der TSH Wert bei 20 Prozent der hypothyreoten Hunde im Normalbereich (Nachweis durch Stimulationstest), was zur Annahme führt, dass der TSH–Test nicht alle Formen des TSH erfasst. Ein Makel mit dem die erstentwickelten human TSH–Tests auch behaftet waren
(Laubeneck,2000).

5.4.1 TRHStimulationstest (dreimalig) – Profil 2
(wird immer am nüchternen Hund durchgeführt)

Zur Diagnostik wird der fT4 Spiegel vor und nach der Applikation von TRH gemessen. Durch die TRH Gabe kommt es beim gesunden Tier zur Sekretion (Ausscheidung) von TSH in der Hypophyse und nachfolgend zur Freisetzung von T4 und T3 in der Schilddrüse. Bei einer primären Hypothyreose können die Schilddrüsen trotz Stimulation durch TSH nicht genügend Hormone sezernieren was sich im fT4 Wert der Untersuchung zeigt. Die Arbeiten über den TRH–Stimulationstest zeigen, dass die Erfassung der Funktionen der Schilddrüsen nicht immer einfach durchzuführen sind. Erst die Messungen von verschiedenen Parametern nach der Stimulation mit TRH erlauben eine umfassende Beurteilung des Funktionszustandes der Schilddrüsen.
Testverlauf (dreimalige fT4 Bestimmung):
       1. Blutentnahme = Basalwertbestimmung des freien T4 und TSH
       2. Injektion von 200µg des TRH stimulierenden Präparates
       3. Zweite Blutentnahme: eineinhalb Stunden nach TRH Gabe – Bestimmung des 
         fT4– und TSH Wertes
       4. Dritte Blutentnahme: drei Stunden nach TRH Gabe – wiederum Bestimmung 
         des fT4– und TSH Wertes

      Beurteilung – immer im Bezug zum Basalwert des fT4 und TSH
      •   Beim gesunden Hund sind fT4 und TSH im Normbereich d.h. fT4 ist erhöht 
         und TSH erniedrigt.
      •   Beim gesunden Hund kann die vermehrte Ausschüttung von TSH mit TRH 
        
provoziert werden.
      •   Beim gesunden Hund steigt nach zwei bis drei Stunden das TSH um 
         mindestens 0,7µg/100ml oder um den 1,5fachen Basalwert.
      •   Beim hypothyreoten Hund fällt der fT4 Basalwert tief und der TSH Basalwert 
        
hoch aus.
      •   Beim hypothyreoten Hund bleibt das TSH trotz TRH Stimulation auf einem 
         mehr oder weniger gleich hohen Niveau.
5.4.2 TRH Stimulationstest „light" (zweimalig) – Profil 1
(wird immer am nüchternen Hund durchgeführt)
Dieses vereinfachte Vorgehen kommt mit zwei Blutentnahmen aus. Die Behauptung, dass er für die meisten Abklärungen ausreicht, ist individuell zu überprüfen.

Testverlauf (zweimalige fT4 Bestimmung):
     1. Blutentnahme = Basalwertbestimmung für fT4 und TSH
     2. Injektion von 200µg des TRH stimulierenden Präparates
     3. Zweite Blutentnahme: drei Stunden nach TRH Gabe – Bestimmung des fT4– und 
         TSH Wertes 

  Beurteilung – immer im Bezug zum Basalwert des fT4 und TSH
    •   Beim gesunden Hund sind fT4 und TSH im Normalbereich d.h. fT4 ist erhöht
 
           und TSH erniedrigt.
     •   Beim gesunden Hund kann die vermehrte Ausschüttung von TSH mit TRH 
       
provoziert werden.
 
    •   Beim gesunden Hund steigt nach zwei bis drei Stunden das TSH um mindestens  
         0,7µg/100ml oder um den 1,5fachen Basalwert.
     •   Beim hypothyreoten Hund fällt der fT4 Basalwert tief und der TSH Basalwert 
       
hoch aus.

5.5 Referenzbereiche
Es gibt keine bundesweit einheitlichen Referenzbereiche für T4 oder fT4, da jedes Labor seine eigene Labortechnik und die dazugehörigen Auswertungsmodi besitzen. In Deutschland gibt es mehrere große Institute, die Blutanalysen durchführen, ohne die veterinärmedizinischen Praxen und Kliniken, die eigene Analysegeräte besitzen. Bei jeder Auswertung ist es deshalb sehr wichtig, die Referenzbereiche des Analysegerätes mitgeteilt zu bekommen. In der Regel sind diese auf dem Auswertungsbogen, den der Veterinär erhält, mit abgedruckt. Davon sollte der Besitzer oder die Besitzerin des Hundes eine Kopie erhalten. Nur im direkten Vergleich von Analyse und Referenzbereich kann eine zuverlässige Aussage über die Hormonproduktion der Schilddrüsen getroffen werden. Eine Ausnahme bildet der Referenzbereich des TSH, der zwischen 0,3–0,6ng/ml liegt.

Als Beispiel die Laborwerte unserer Hündin, 
die im Alter von 3,5 Jahren an Hypothyreose erkrankte.

1. Untersuchung am: 24.04.1996

1 x Blutentnahme

Referenzbereich (Angaben durch Labor)

a) fT4 = 14,0 pmol/l  (Basalwert)        

10,3 – 51,5 pmol/l

Cholesterinwert = 6,7 mmol/l

2,59 – 6,48 nmol/l

k–Wert = +3,1

> +1

Bewertung: Verdacht auf Hypothyreose 
Dosierung: tgl. 7.
Tbl. à 300µg  = 2100µg L–Thyroxin

2. Untersuchung am: 29.05.1996

Profil 2: = 3 x Blutentnahme

Referenzbereich (Angaben durch Labor)

a) fT4 = 18,6 pmol/l  (Basalwert)       

10,3 – 51,5 pmol/l

b) fT4 = 18,9 pmol/l

 

c) fT4 = 19,3 pmol/l

 

d) TSH

 

Cholesterinwert

2,59 – 6,48 nmol/l

k–Wert

> +1

Bewertung:   a) hypothyreot:               eindeutig – bei 3 Proben fT4 < 20 pmol/l                     
                    b) fraglich:                      bei mindestens 1 Probe zwischen 20 und 25pmol/l 
  
                      c) euthyreot:                   bei mindestens 1 Probe fT4 >25pmol/l

1. Kontrolluntersuchung am: 21.08.1996

Referenzbereich (Angaben durch Labor)

a) fT4 = 19,8 pmol/l  (Basalwert)

10,3 – 51,5 pmol/l

Dosierung: tgl. 6 Tbl. à 300µg  = 1800µg L–Thyroxin

 

letzte Kontrolluntersuchung am: 05.01.1999

Referenzbereich (Angaben durch Labor)

a) fT4 = 32,8 pmol/l  (Basalwert)

7,7 – 47,6 pmol/l

 
Die Dosis von täglich 1800µg L–Thyroxin wurde bis zu ihrem Tod unverändert beibehalten.

6. Dosierung
Ist durch den Funktionstest eine Hypothyreose festgestellt worden muss mit einer 
lebenslangen oralen Substitution von L–Thyroxin (Levothyroxin–Natrium) begonnen werden.
Die Halbwertzeit und die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Konzentration des T4 unterliegt starken individuellen Schwankungen. Aus diesem Grund gibt es eine große Anzahl an Empfehlungen bezüglich Dosis und Dosisintervall und bedarf eines sehr erfahrenen Veterinärs. Die Dosierung des Hundes ist etwa fünf bis achtmal höher als beim Menschen. Das bedeutet, dass die tägliche Thyroxingabe des Hundes zwischen 20µg bis 30µg/kg KM (Suter,1997) liegen sollte. Ein zirka 50 kg schwerer Hund benötigt daher am Tag zwischen 1000µg bis 1500µg des synthetischen Hormons. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass eine Thyroxingabe von 30µg bis 40µg/kg KM die Rekonvaleszenz beschleunigt und zu besseren Ergebnissen führt. Auch wenn zu Beginn (d.h. in den ersten Wochen) der Behandlung noch körpereigenes T4 produziert wird, muss die volle Menge an L–Thyroxin gegeben werden, da die Schilddrüse sehr schnell auf die von außen zugeführte Hormonmenge reagiert und ihre Tätigkeit einstellt. Sehr wichtig ist die langsame Steigerung der Menge und die Tabletten sollten i.d.R. morgens dem nüchternen Hund gegeben werden. So kann sich das Hormon nicht an die Nahrung binden und unwirksam werden. Da der Dokhyi sehr gerne nachts bzw. in den frühen Morgenstunden frisst, kann die Dosis auch am späten Abend gegeben werden. Um die optimale Dosierung herauszufinden, ist es empfehlenswert nach vier bis fünf Wochen und nach vier bis fünf Monaten den aktuellen TSH Wert und T4 Blutspiegel zu kontrollieren. Danach kann in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren eine Therapiekontrolle erfolgen.

Bereits wenige Wochen nach Behandlungsbeginn ist eine positive Veränderung des Hundes zu sehen. Die meisten Symptome verschwinden sehr schnell und Appetit und  Bewegungsfreude nehmen ständig zu. Anders ist es mit den Haut– und Haarproblemen. Anfänglich können sich diese sogar verstärken. Der Haarausfall nimmt zu und die Haut des Hundes schuppt extrem. Dies ist jedoch ein gutes Zeichen, denn die Haut erneuert sich und stößt dabei vermehrt die alten Zellen ab. Haut– und Haarkleid brauchen bis zu sechs Wochen um sich zu regenerieren und eine Besserung eintritt. Die Anämie (Blutarmut) und die erhöhten Cholesterinwerte (Blutfette) benötigen dagegen Monate, bis sie sich normalisiert haben und die Störungen der Fertilität (Fruchtbarkeit) sind die letzten Symptome, welche sich bessern. Der Hund dürfte jedoch nach sechs Monaten wieder gesund sein und seine alte Lebensfreude und Aktivität zurück gewonnen haben.

Die Behandlung des hypothyreoten Hundes ist eine Substitutionstherapie und sie muss lebenslang und ohne Unterbrechung erfolgen!


7
. Hypothyreose und Wesensveränderungen
Das Gehirn ist die „Steuerzentrale“ des Körpers. Sie kontrolliert und beeinflusst  alle Vorgänge im Körper. Kommt es nun zu krankhaften Veränderungen der Gehirnfunktionen (z.B. Infektionen, Borreliose, Epilepsie, Hypothyreose) kann dies zu einem gereizten oder aggressiven Verhalten des Hundes führen.  Heute weiß man um die Zusammenhänge zwischen Schilddrüsenunterfunktion und dem aggressiven Verhalten eines Hundes. Typisch für ein durch die Hypothyreose ausgelöstes aggressives Verhalten ist, dass es meistens ohne erkennbaren äußeren Auslöser auftritt oder, wenn ein sogenannter Auslöser da ist, er mit einer für die Situation unangemessenen Heftigkeit des Hundes beantwortet wird. Man nennt diese Form des aggressiven Verhaltens „Dr. Jeckyll – Mr. Hyde – Syndrom”. Das heißt: Von einem zum anderen Moment ist der Hund  hochgradig aggressiv, dann wird der „Schalter“ umgelegt und der Hund ist wieder nett und freundlich, so als wäre nichts gewesen (Quandt,o.A.). Die Stimmungslage der meisten Hunde kommt wieder ins Gleichgewicht und die aggressiven Ausfälle verschwinden sobald der Schilddrüsenhormonmangel durch die Substitution mit Thyroxin behoben ist. So mancher Hund (Dokhyi) könnte noch leben, wenn Besitzer und Tierärzte besser über diese Zusammenhänge informiert gewesen wären.
Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion können diese Situationen sehr gut nachvollziehen, da sie den gleichen, starken Gefühlsschwankungen ausgesetzt sind und ebenso heftig auf ihre Umwelt reagieren können.


8. Erbliche Dispositionen

Es ist davon auszugehen, dass bei der Entstehung der primären Hypothyreose genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Beim Menschen  gibt es mittlerweile keinen Zweifel mehr an der Erblichkeit  der Schilddrüsenunterfunktion. 
Die Drüsenfunktionsstörungen unterliegen nicht der Mendelschen Regel sondern ihre Vererbung ist deutlich komplexer, da die Merkmale von verschiedenen Genen beeinflusst werden, weshalb man von einer erbliche Disposition auf polygener Basis spricht (Binder,2001).


9. Anhang

mmol = milli-mol   = 10-2 = Hundertstel mol
µg = micro-gramm   = 10-6 = Millionstel Gramm
ng = nano-gramm = 10-9 = Milliardstel Gramm
pmol = pico-mol = 10-12 = Billionstel mol



Danken möchte ich meinem Mann für die medizinische Beratung und meiner Tierärztin für die Durchsicht des Manuskriptes.

©2002 Ingrid Brill-Walch



Allgemeines zu den Impfungen

Grundimmunisierung
Jede Auseinandersetzung, die ein Organismus mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern hat, führt zur Bildung von Schutzstoffen, sogenannten Antikörpern. Nach seiner Geburt erhält der Welpe sie über die Muttermilch; dieser Schutz ist jedoch zeitlich auf wenige Wochen begrenzt und so muss rechtzeitig durch eine Schutzimpfung die Bildung eigener Antikörper angeregt werden.
Die Grundimmunisierung ist der erstmalige Aufbau eines solchen Schutzes, den der Welpe in der Regel zwischen der siebten und zehnten Lebenswoche erhält. Wegen der eventuell noch vorhandenen Antikörper der Mutter ist die Immunisierung erst nach einer weiteren Impfung des Welpen drei bis vier Wochen nach dem ersten Impftermin abgeschlossen.
Da die Wirkung der Impfstoffe zeitlich begrenzt ist, ist eine Wiederholungsimpfung in regelmäßigen Abständen dringend erforderlich, denn nur so kann gewährleistet sein, dass das Tier dauerhaft geschützt ist. Vor den jährlichen Impfterminen sollte der Hund entwurmt werden und gesund sein, da sonst die Ausbildung der Antikörper gefährdet ist.

Der Impfpass
Der Impfpass ist neben den Rassepapieren das wichtigste Dokument, das der Hund erhält. In der Innenseite des Impfpasses findet man neben den Angaben über Rasse, Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Tätowierungs- oder Chipnummer auch alle Informationen über bereits erfolgte Impfungen und den nächsten anstehenden Impftermin.
Bei Reisen ins Ausland oder beim Besuch von Ausstellungen ist der Impfpass unbedingt nötig; dient er doch dem Nachweis gültiger Impfungen insbesondere gegenüber der Tollwut.


Staupe
Staupe ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten beim Hund. Sie wird durch einen Virus verursacht, der beim direkten Kontakt mit einem infizierten Tier übertragen wird. Aber auch bei einem Waldspaziergang oder indirekt durch die Kleidung kann das Virus eingeschleppt und die Hunde angesteckt werden. Zirka eine Woche nach der Ansteckung sind die ersten Krankheitssymptome zu beobachten. Die Erkrankung beginnt immer mit hohem Fieber, Augen- und Nasenausfluss und Appetitlosigkeit bis zur absoluten Nahrungsverweigerung. Staupe kann sich im weiteren Verlauf auf unterschiedliche Art und Weise äußern, welche auch ineinander übergehen können.
Man unterscheidet drei Verlaufsformen:

a) Darmstaupe:    Das erkrankte Tier leidet an fast unstillbarem, wässrigen bis blutigem
Durchfall und starkem Erbrechen.
b) Lungenstaupe: Das erkrankte Tier leidet an Atembeschwerden mit quälendem Husten, Nasenausfluss und es kann sich eine Lungenentzündung ausbilden.
c) Nervenstaupe: Das erkrankte Tier leidet an Krämpfen, Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen. Da das Virus das Gehirn schädigt, verlieren einige Tiere sogar das Bewusstsein, ähnlich einem epileptischen Anfall.

Die Überlebensrate ist sehr gering. Häufig endet die Erkrankung tödlich. Die Tiere, die Staupe überleben, behalten meist lebenslange Schädigungen zurück.

 

Leptospirose
Die Krankheit ist auch unter den Namen Weilsche Krankheit und Stuttgarter Hundeseuche bekannt.
Die verschiedenen Erreger der lebensbedrohlichen Infektion gehören zu den Bakterien. Diese sind nicht nur für Tiere, sondern auch für den Menschen gefährlich! 
Infektionsquellen können infizierte Hunde, welche den Erreger mit ihrem Urin ausscheiden, Ratten, Mäuse und andere Tiere sein. Auch Tümpel, Pfützen, Wassergräben und stehende Gewässer beherbergen das Bakterium und werden zur Gefahr, wenn Hunde daraus trinken.
Die Krankheit beginnt häufig mit Schwäche und abnormer Müdigkeit und schwankendem Gang, der besonders das Springen und Treppensteigen erschwert. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu Fieber mit Futterverweigerung, Erbrechen sowie Durchfall und es kann sich auch noch eine Gelbsucht entwickeln mit bleibenden Schäden an Leber und Nieren.

 

Parvovirose
Parvovirose tritt sehr häufig auf und führt in den meisten Fällen zum Tod. Die Pavoviren sind extrem widerstandsfähig und können viele Monate manchmal sogar Jahre in der Außenwelt überleben.
Die Erreger werden nicht nur durch innerartlichen Kontakt der Hunde, sondern sehr oft über den Menschen oder Gegenstände übertragen. Virushaltiger Hundekot ist jedoch die Hauptursache für eine Ansteckung. Praktisch jedes Hundehäufchen ist eine Gefahrenquelle, entweder weil der Hund daran schnuppert oder man selbst den Virus an den Schuhen mit nach Hause bringt. 
Die Krankheit ist sehr heimtückisch, denn nach Ausbruch kann innerhalb weniger Stunden der Tod durch eine Herzmuskelentzündung eintreten. Welpen sind sehr gefährdet und deshalb ist eine Impfung bereits in der sechsten Lebenswoche zu empfehlen.
In der Regel beginnt die Krankheit mit einer Magen-Darm-Entzündung. Später kommt Fieber, starkes Erbrechen und Durchfall, der oft sehr wässrig, schleimig oder blutig ist, hinzu. Die Tiere fressen nicht und werden apathisch. Durch den starken Durchfall verlieren sie sehr viel Flüssigkeit, was letztendlich zum Tode führen kann. Selbst Medikamente sind gegen das Virus unwirksam und man kann seinen Hund nur durch frühzeitige Impfung gegen diese Krankheit schützen.

 

Die Tollwut
Das Tollwutvirus wird fast ausschließlich durch den Biss infizierter Füchse übertragen. Sie ist für alle Säugetiere und auch für den Menschen lebensgefährlich!
Das Virus zerstört Teile des zentralen Nervensystems und ruft dadurch Aggressivität, Wesensveränderungen und Lähmungserscheinungen hervor. Im fortgeschrittenen Stadium kommen Ruhelosigkeit und Gleichgewichtsstörungen gefolgt  von Krämpfen und Lähmungen hinzu, die letztendlich zum Tod führen.
Der Mensch wird weniger durch den Biss eines kranken Fuchses infiziert. Vielmehr erfolgt die Übertragung durch den Biss tollwutkranker Haustiere, insbesondere durch Hunde und Katzen. Aufgrund der enormen Gefährdung gehört die Tollwut seit Jahren zu den meldepflichtigen Seuchen und unterliegt daher als solche der staatlichen Kontrolle. Tollwutverdacht  besteht auch dann, wenn ein Kontakt mit einem tollwutverdächtigem oder -erkrankten Tier vermutet wird. In solchen  Fällen kann der Amtstierarzt das Töten des Tieres verlangen, es sei denn dieses ist nachweislich gegen Tollwut geimpft. Außerdem ist es verboten, tollwutverdächtige oder tollwuterkrankte Tiere wissentlich zu behandeln.

 

Zwingerhusten
Zwingerhusten, hat nichts damit zu tun, dass nur "Zwingerhunde" daran erkranken können. Hier handelt es sich um eine Erkrankung der Luftröhre und der Bronchien. Er ist eine "Faktorenkrankheit", was bedeutet, dass mehrere ungünstige Faktoren zu Ausbruch der Krankheit beitragen. Zum einen sind es verschiedene Erreger, wie die Bordetellen und das Parainfluenzavirus. Zum anderen können die Haltung mehrere Hunde auf engsten Raum sowie die klimatischen Bedingungen wie Feuchtigkeit und Durchzug die Ausbreitung der Krankheit begünstigen. Jeder Hund kann davon betroffen sein, obwohl die schwächsten oder gestressten Tiere am anfälligsten sind und sich durch den Kontakt zu anderen Rudelgenossen ständig gegenseitig anstecken können. Doch ebenso auf Ausstellungen oder den täglichen Spaziergängen mit häufigen Kontakten zu anderen Hunden kann sich auch der "normal gehaltene" Haus- und Familienhund infizieren.
Die ersten Symptome sind ein trockener  Husten und ein klarer Nasen- bzw. Augenausfluss. Wird die Krankheit verschleppt und zu spät behandelt, verschlimmert sich der Zustand und es kommt in der Regel zu einer quälenden Lungenentzündung. Der Zwingerhusten ist eine langanhaltende Krankheit und kann sich auch unter ärztliche Behandlung über viele Wochen hinziehen. Dabei ist das Allgemeinbefinden der erkrankten Tiere sehr eingeschränkt. 

 

Hepatitis
Hepatitis ist eine ansteckende Leberentzündung, die viele Junghunde nicht überleben!
Die Krankheit wird auch H.c.c - Hepatitis contagiosa canis - genannt. Sie ist nicht weniger gefährlich als die Staupe und ihre Übertragung erfolgt auf dem gleichen Weg. Auch die Krankheitssymptome sind sich sehr ähnlich. Die Infektionskrankheit ist jedoch nicht auf den Menschen übertragbar, doch er kann durch seine Kleidung oder durch Gegenstände die Krankheit einschleppen.
Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit und starke Bauchschmerzen sind die ersten Symptome und im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu Erbrechen, Durchfall, Mandel-, Rachen- und Bindehautentzündungen und teilweise auch zur Trübung der Augenhornhaut, die dann zur Erblindung führen kann. Besonders sehr junge Hunde überleben die Krankheit nicht. 

 

Borreliose 
Diese für unsere Breiten sehr junge Hundekrankheit kam früher nur in den Mittelmeerländern, der Schweiz und Ungarn vor. Sie ist mittlerweile jedoch in fast allen Teilen Deutschlands vertreten.
Bei der Borreliose werden die Bakterien der Gattung "Borrelia burgdorfi" durch den Biss der Zecke übertragen. Kommt es zum Ausbruch, ist die Borreliose schwer zu diagnostizieren, da viele Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Ein typisches Symptom ist die sogenannte "Wanderröte", die Erythema migrans, die jedoch nicht bei allen Borreliosepatienten auftreten muss. Die Erythema migrans, die zuerst um die Einstichstelle des Zeckenbisses sichtbar ist, kann Tage bis Wochen später auch an anderen Körperstellen auftreten. Hinzu kommen noch Fieber und Schlappheit, ein wegen der starken Schmerzen  gekrümmter Rücken, Gelenkentzündungen, die sich in Lahmheit äußert und eine oftmals hängende Rute, als Zeichen starken körperlichen Unwohlseins. Im späten Stadium kann eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung dazu kommen.
In Europa überträgt der "gemeine Holzbock" die Borreliose. Ist ein Hund erst einmal infiziert, tritt die Krankheit in unregelmäßigen Schüben wieder auf, denn sie kann nicht geheilt, aber durch geeignete Antibiotika stark abgeschwächt werden. Inzwischen gibt es einen Impfstoff worüber Sie sich bei Ihrem Tierarzt oder bei Ihrer Tierärztin informieren können.


Durch umfangreiche Impfungen schützen Sie Ihren Hund vor vielen Krankheiten.




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